Werbehandbücher lehren, das Ziel eines Plakats sei es, die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf sich zu ziehen und Informationen klar strukturiert und übersichtlich zu vermitteln. Übersichtlichkeit steht bei den Plakaten des Festival des Arcs nicht unbedingt im Vordergrund – Aufmerksamkeit erregen sie aber allemal. Die Plakate des Festival des Arcs sind eigentliche Kunstwerke. Von 2005 – 2024 wurden sie von Sabine Doppler und Marc Angst mit einer Kombination von Holz- und Siebdruck gestaltet:
Heute liegt die gestalterische Verantwortung in den Händen von Matthias, der die Aufgabe, dem Festival Jahr für Jahr eine Visuelle Sprache zu geben, übernommen hat.
Lange bevor Farben, Formen oder Typografie feststehen, stellt er sich die Frage nach der Stimmung: Soll das Plakat dieses Jahr kantiger, kubistischer oder doch eher organischer wirken? So entstehen Richtungen, die den weiteren Weg vorgeben.
Danach taucht er in das Lineup ein. Er schaut sich die Arbeiten der Kunstschaffenden an und versucht etwas zu finden, das sie verbindet. Keine leichte Aufgabe – denn oft könnten die Acts kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem fängt er jedes Jahr den gemeinsamen „Vibe“ ein: jene Stimmung, die das Festival im jeweiligen Jahr prägt.
Die ersten Entwürfe enstehen immer von Hand, manche Jahre aus freien Handzeichnungen und andere Jahre mit Linoldrucken – aber immer mehrere Varianten und zahlreiche Skizzen mit unterschiedlichen Ansätzen, die miteinander konkurrieren.
Aus jeder Idee entstehen wiederum mehrere Versionen die, wenn sich nach und nach herauskristalisiert hat welche Richtung trägt und welche nicht, wieder verworfen werden. Die meisten Entwürfe verschwinden wieder, bis schliesslich eine einzige Idee übrig bleibt.
Erst dann beginnt die eigentliche Ausarbeitung. Farboptionen werden digital getestet und nach Entscheid von Hand coloriert, gescannt und mit zwischendrucken, welche von Hand wieder weiter bearbeitet werden, getestet – Damit wird sichergestellt, das das Plakat nach dem Druck auch die gewünschte Farbintensität vorweist.
2026 entstand das Motiv beispielsweise mit Ölkreide, Kohle und jede Menge Fixativ zur Sicherung. Die analogen Spuren bleiben dabei bewusst sichtbar. Kleine Unregelmässigkeiten sind keine Fehler, sondern Teil des Charakters. Nur gröbere Makel werden später digital bereinigt.
Auch die Typografie entwickelt sich Schritt für Schritt. Texte werden digital skizziert, ausprobiert, verworfen und neu gesetzt.
So entsteht jedes Jahr, zwischen Handwerk, Illustration und Experimenten, ein Unikat.
Archiviert werden die Plakate nicht nur in unserem eigenen Archiv, sondern (bis zum Jahr 2023) auch in der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung in Zürich.
Plakatgalerie